Du funktionierst, erledigst Aufgaben und bist trotzdem immer häufiger erschöpft? Wer nach Burnout-Symptomen sucht, möchte meist wissen: Was passiert gerade mit mir – und was kann ich tun? Eine Liste im Internet kann das nicht abschließend beantworten. Sie kann aber helfen, Beobachtungen in Worte zu fassen und ein Gespräch vorzubereiten.
Was die WHO unter Burnout versteht
Die WHO beschreibt Burnout in der ICD-11 als Folge von chronischem, nicht erfolgreich bewältigtem Stress am Arbeitsplatz. Sie nennt drei Dimensionen: Erschöpfung, zunehmende innere Distanz beziehungsweise Zynismus gegenüber der Arbeit und verringerte berufliche Wirksamkeit. Burnout wird dort als berufliches Phänomen und nicht als eigenständige Krankheit eingeordnet. Diese Definition bezieht sich ausdrücklich auf den Arbeitskontext. Quelle: WHO.
Anzeichen ernst nehmen – Ursachen abklären
Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Niedergeschlagenheit sind nicht eindeutig. Auch Depressionen, andere psychische oder körperliche Erkrankungen sowie Medikamente können eine Rolle spielen. Internettests können diese Ursachen nicht zuverlässig unterscheiden. Wenn Beschwerden anhalten oder deinen Alltag beeinträchtigen, ist ein Gespräch in der Hausarztpraxis ein sinnvoller Schritt. Auch Belastungen außerhalb der Arbeit verdienen Unterstützung. Quelle: IQWiG – Was ist ein Burnout?
Vier Fragen, die deine Situation greifbarer machen
Die folgenden Fragen sind eine Reflexionshilfe, kein Test. Es gibt keine Punktzahl und keine Einstufung in eine Burnout-Phase. Du musst sie auch nicht alle auf einmal beantworten.
- Was hat sich verändert? Beschreibe eine konkrete Situation: etwa eine Aufgabe, die dir früher leichter fiel. Seit wann bemerkst du die Veränderung?
- Welche Anforderungen belasten dich? Halte Aufgaben, Unterbrechungen und widersprüchliche Erwartungen getrennt fest.
- Was kannst du selbst verändern – und wofür brauchst du andere? Unterscheide persönliche Entscheidungen von Fragen der Arbeitsmenge, Zuständigkeit und Personalplanung.
- Wer könnte dich unterstützen? Notiere eine Person oder Anlaufstelle und eine konkrete Bitte.
Entlastung konkret ansprechen
Ein Beispiel für ein Gespräch am Arbeitsplatz: „Aktuell liegen die Aufgaben A, B und C gleichzeitig bei mir. Im vorgesehenen Zeitrahmen kann ich A und B erledigen. Welche Aufgabe hat Vorrang, und wer übernimmt C?“ So wird aus einem allgemeinen Gefühl der Überforderung eine besprechbare Entscheidung.
Das Beispiel ist ein Formulierungsvorschlag, keine Garantie für eine gute Reaktion. Überlege, in welchem Rahmen du das Gespräch führen möchtest und ob dich eine Vertrauensperson, der Betriebsrat oder der betriebsärztliche Dienst dabei unterstützen kann.
Selbstreflexion darf ohne Leistungsdruck stattfinden
Du musst aus einer schwierigen Situation kein weiteres Optimierungsprojekt machen. Vielleicht reicht heute ein Satz: „Das fällt mir gerade schwer, und ich möchte darüber sprechen.“ Wenn du deine Beobachtungen notierst, verwende möglichst konkrete Beschreibungen statt Urteile über dich selbst.
Für ein medizinisches Gespräch kannst du Beginn, Dauer und Auswirkungen deiner Beschwerden sowie Medikamente und bisherige Veränderungen festhalten. Die fachliche Einordnung überlässt du den behandelnden Fachleuten.
Ein möglicher nächster Schritt: Wähle eine Person, mit der du diese Woche sprechen möchtest, und formuliere eine Bitte. Das Thema „Dich verstehen“ bietet Raum für Reflexion; ein Buch ersetzt keine Diagnostik oder Behandlung.
Weiterlesen mit PERNI
Zum Themenbereich gehört das Buch Dich verstehen von Thomas Pernpeintner – im BoD-Buchshop ansehen.


Hinterlasse einen Kommentar