Lichtsanierung 2026: Was EPBD, GModG und gute Planung für Nichtwohngebäude bedeuten

PERNI Themenwelt Licht verstehen

LICHT VERSTEHEN · PRAXISWISSEN 2026

Lichtsanierung 2026: Nicht einfach Leuchten tauschen.

Eine gute Sanierung verbindet Energieeffizienz, Sehkomfort, Nutzung, Steuerung und die Anforderungen an das Gebäude.

Bei einer Lichtsanierung wird häufig zuerst über Watt, LED und Amortisationszeit gesprochen. Das ist wichtig – aber zu kurz gedacht. Beleuchtung ist Teil der Gebäudetechnik und gleichzeitig die technische Umgebung, unter der Menschen sehen, arbeiten und sich orientieren.

Deshalb sollte die erste Frage nicht lauten: Welche Leuchte ersetzt die alte? Sondern: Was braucht dieser Raum heute – und was soll die neue Anlage in den nächsten Jahren leisten?

Die fünf Fragen vor jeder Lichtsanierung

  1. Wie wird der Raum tatsächlich genutzt? Sehaufgabe, Arbeitszeiten, Nutzer und Tageslicht bestimmen die Lösung.
  2. Welche Beleuchtungsqualität wird benötigt? Beleuchtungsstärke allein reicht nicht. Blendung, Gleichmäßigkeit, Farbwiedergabe und Lichtverteilung gehören dazu.
  3. Wie viel Energie verbraucht die bestehende Anlage wirklich? Leistung, Brenndauer und Betriebsweise gehören gemeinsam betrachtet.
  4. Welche Steuerung ist sinnvoll? Präsenz, Tageslicht und Nutzungszeiten können einen großen Unterschied machen.
  5. Welche gesetzlichen und normativen Anforderungen betreffen das Projekt? Gebäudeenergierecht, Arbeitsschutz und Beleuchtungsnormen erfüllen unterschiedliche Aufgaben.

Was hat das GModG mit Beleuchtung zu tun?

Bei Nichtwohngebäuden ist die eingebaute Beleuchtung Bestandteil der energetischen Betrachtung. Das Gebäudemodernisierungsgesetz berücksichtigt sie beim Gesamtenergiebedarf; für Berechnungen von Nichtwohngebäuden spielt außerdem die DIN V 18599 eine wichtige Rolle.

Für die Praxis bedeutet das: Beleuchtung ist energetisch nicht isoliert zu betrachten. Eine Sanierung kann Teil einer umfassenderen Gebäudestrategie sein – insbesondere dann, wenn gleichzeitig Steuerung, Tageslichtnutzung oder weitere technische Systeme betrachtet werden.

Wichtig: Welche konkrete gesetzliche Pflicht in einem Bestandsprojekt greift, hängt vom Gebäude und von der Maßnahme ab. Eine pauschale Aussage „alte Beleuchtung muss bis Datum X ersetzt werden“ wäre daher zu einfach.

EPBD: Der Blick wird größer als die einzelne Leuchte

Die europäische Gebäuderichtlinie EPBD setzt den Rahmen für eine schrittweise Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz des Gebäudebestands. Für Nichtwohngebäude rücken damit effiziente technische Systeme, Automatisierung, Regelung und der tatsächliche Gebäudebetrieb stärker in den Mittelpunkt.

Für die Lichtplanung ist das ein sinnvoller Perspektivwechsel: Eine effiziente LED-Anlage ist gut. Eine Anlage, die nur dann und nur so viel Licht bereitstellt, wie tatsächlich benötigt wird, kann besser sein.

Energieeffizienz darf Lichtqualität nicht ersetzen

Die effizienteste Anlage hilft wenig, wenn Menschen schlechter sehen, geblendet werden oder Arbeitsbereiche nicht passend ausgeleuchtet sind. Für Arbeitsstätten sind deshalb unter anderem die Anforderungen aus der ASR A3.4 und die lichttechnische Planung nach DIN EN 12464-1 relevant.

Nicht nur Lux

Beleuchtungsstärke ist ein wichtiger Wert. Gute Planung berücksichtigt darüber hinaus Blendungsbegrenzung, Gleichmäßigkeit, Farbwiedergabe, Flächen und die konkrete Sehaufgabe.

UGR richtig einordnen

UGR ist kein Qualitätssiegel einer einzelnen Leuchte. Entscheidend ist die konkrete Situation aus Leuchte, Raum, Anordnung und Blickrichtung.

Steuerung mitdenken

Präsenz- und Tageslichtregelung sollte früh geplant werden. Nachträglich ergänzt wird sie schnell zum Kompromiss.

Ein sinnvoller Ablauf in der Praxis

  1. Bestandsanlage und reale Nutzung aufnehmen.
  2. Sehaufgaben und Anforderungen definieren.
  3. Lichtkonzept und mögliche Steuerung entwickeln.
  4. Energiebedarf und Wirtschaftlichkeit vergleichen.
  5. Bemusterung oder Referenzbereich prüfen, wenn das Projekt es zulässt.
  6. Nach der Umsetzung kontrollieren, ob Beleuchtungsqualität und Steuerung in der Praxis funktionieren.

Der Kern: Eine Lichtsanierung ist dann gut, wenn nachher nicht nur weniger Energie verbraucht wird, sondern die Beleuchtung besser zur Nutzung passt.

Weiterdenken: Licht verstehen

Genau deshalb habe ich „Licht verstehen – Der Wegbegleiter im Licht“ geschrieben: nicht als Sammlung einzelner Zahlen, sondern um Zusammenhänge verständlich zu machen.

Stand: September 2026. Dieser Beitrag dient der fachlichen Orientierung und ersetzt keine projektbezogene rechtliche oder normative Prüfung.